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Darum ist der Granatapfel ein wahres Multitalent!

Sein Name klingt nicht gerade verlockend und auch das Äußere wirkt ein wenig unscheinbar. Doch sobald du einen Granatapfel öffnest, erlebst du ein kleines Wunder.

Oder besser gesagt: Unzählige, denn im Inneren einer einzigen Frucht stecken bis zu 400 rot funkelnde Kerne – und die sind nicht nur köstlich, sondern auch gesund.

Kugelige Früchte mit einschlagender Wirkung

Die Bezeichnung des Granatapfels kommt nicht von ungefähr. Doch so sehr die runde Frucht mit der zipfeligen Ausstülpung an eine Handfeuerwaffe erinnert – davon hat sie ihren Namen nicht. Die Ursache liegt im wahrsten Sinne des Wortes tiefer, nämlich unter der Schale. Hier sitzen dicht an dicht zahllose Kerne, die beim Öffnen herauspurzeln oder leicht zu entnehmen sind. Die Römer nannten sie granae (Körner) und haben so zur Benennung des Obstes beigetragen.

Das ist jedoch nicht die einzige spannende Hintergrundinformation zu Granatäpfeln. Nach neuestem Forschungsstand sind sie das reale Vorbild für die „Frucht der Erkenntnis“. Was Adam im Garten Eden die Augen öffnete und schließlich zum Sündenfall führte, war kein schlichter Allerweltsapfel, sondern ein punica granatum. Zu dieser Schlussfolgerung kommt Waltraud H. Alberti in ihrem Buch „Garten der Götter – Pflanzen am Mittelmeer: Heilkraft, Mythos, Geschichten & Rezepte“. Dabei kombiniert sie den Schauplatz der biblischen Handlung mit der Herkunft des Granatapfels.

Ursprüngliche Heimat und ursprüngliche Verwendung

Beides verorten Wissenschaftler in Punien, dem heutigen Tunesien. Hier gedieh zur Zeit des Heiligen Römischen Reiches eine besondere Gattung der Weiderichgewächse. Sie blühte leuchtend rot und brachte Früchte hervor, deren Saft ein außergewöhnlich hohes Färbevermögen besaß. An ihn heranzukommen, war das Hauptziel der Ernte, denn Granatrot war der Lieblingsfarbton römischer Senatoren.

Um färbenden Sud zu erzeugen, wurden die Granatapfelschalen und -Kerne etwa eine Stunde in Wasser gekocht. Die entstehende Mischung siebten die Färber ab, ließen sie abkühlen und legten den zu tönenden Stoff über Nacht hinein. Abhängig von der Menge an Kernen ergaben sich altrosa bis leuchtend rote Nuancen. Dieses antike Verfahren kannst du auch heute noch anwenden – und nutzt damit eine Textilfarbe von natürlicher Herkunft.

Darüber hinaus dienten Granatäpfel natürlich auch der Ernährung. Dass er nur wenige Kalorien auf die Waage bringt und einen hohen Wassergehalt hat, interessierte damals jedoch noch keinen. Antike Genießer schätzten vor allem das attraktive Aussehen der Früchte. Im geöffneten Zustand erfreuten sie sowohl das Auge als auch den Gaumen und waren daher ein beliebtes Tafelobst. Den eigentlichen Genuss bei Tisch bildete das Essen selbst – denn die rubinartig funkelnden, süß-sauer schmeckenden Kerne wurden einzeln aus der Frucht herausgepult und mit den Fingern zum Mund geführt.

Wenige Kalorien und zahlreiche Wirkstoffe

Bis heute ist das die sinnlichste Art, einen Granatapfel zu verzehren – und nebenbei bemerkt auch die beste. Wenn du die fruchtigen Samen direkt in die Hand nimmst, merkst du, dass jeder einzelne ein Wunderwerk ist. Durch ihre kantige Form und die glatte Oberfläche wirken sie tatsächlich wie kleine Edelsteine – und das, was drin steckt, ist genauso wertvoll: Die Kerne von Granatäpfeln enthalten nicht nur die Samen der Frucht, sondern auch jede Menge kostbarer Naturstoffe.

Polyphenole, die Einfach-Alles-Könner

Allen voran stehen die sogenannten Polyphenole – aromatische Verbindungen, wie sie in vielen Obst- und Gemüsesorten stecken. Nirgends aber ist ihre Konzentration so hoch wie im Granatapfel. Der Wert übersteigt die bekannten Spitzenreiter Rotwein, Grüntee und Cranberry-Saft um das Drei- bis Vierfache.

Die damit verbundene Wirkung spielt eine entscheidende Rolle für

  • die Gesunderhaltung und Erneuerung der Zellen,
  •  das Herz-Kreislauf-System,
  • die Hirn- und Nervenleistung,
  • die Sehkraft sowie
  • die körpereigene Abwehr

Die im Granatapfelsaft enthaltenen Polyphenole fördern die genannten Funktionen und können sogar das Wachstum von Krebszellen hemmen.

Zu dieser bahnbrechenden Erkenntnis kamen Forscher in den USA, nachdem sie die Wirkung auf Prostata-Karzinome getestet hatten. Sie gaben erkrankten Studien-Teilnehmern täglich 250 ml Granatapfelsaft zu trinken und stellten fest, dass er die Zellteilung bremste. Die Versuche wurden an Tieren mit Magen-, Darm- und Lungenkrebs fortgeführt und lieferten das gleiche positive Studienergebnis.

Eine Therapie bestehender Erkrankungen ersetzt der Genuss des Saftes nicht; zur Prävention und zur unterstützenden Behandlung aber eignet er sich hervorragend.

Die üblichen Verdächtigen: Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente

Neben den kostbaren Polyphenolen liefert Granatapfelsaft deinem Körper zahlreiche Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente. Hier sind vor allem

  • die Vitamine der B-Reihe
  • Vitamin E
  • Vitamin K
  • Kalium
  • Eisen
  • Zink
  • Kupfer
  • Fluor

zu nennen. Ihre Wirkung erstreckt sich auf den gesamten Organismus, denn sie unterstützen

  • die Blutbildung bzw. -gerinnung
  • die Herztätigkeit
  • die Muskelfunktion
  • den Zuckerstoffwechsel
  • das Immunsystem
  • die Sehkraft

Darüber hinaus haben sie einen entzündungshemmenden und zellerneuernden Effekt, festigen Knochen und Zähne und regen das Haarwachstum an. Auch diese Wirkung ist in der Literatur mehrfach beschrieben worden. Des Weiteren enthält Granatapfelsaft Eiweißbausteine wie Aspargin- und Glutaminsäure, die dein Körper für den Protein-Aufbau benötigt.

Jagd auf kleine Widersacher durch Antioxidantien

Doch auch damit ist die Wirkung von Granatäpfeln auf die Gesundheit noch nicht erschöpft. Im Zusammenspiel mit einer großen Menge Carotinoide wirken die Vitamine C und E auch als Fänger der sogenannten Freien Radikale.

Sie entstehen, wenn du viel Sport treibst oder Umwelteinflüssen, wie

  • Tabakrauch,
  • Stress,
  • UV-Strahlung

ausgesetzt bist. Die Winzlinge sind äußerst aggressiv und greifen deine Zellen an – was Erkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Rheuma oder Krebs nach sich ziehen kann. Die Radikalenfänger im Granatapfelsaft spüren die Störenfriede auf und helfen, sie zu bekämpfen.

Sie sind ein Grund, warum sich Extrakte aus Granatäpfeln in zahlreichen Pflege- und Kosmetikprodukten finden. Dort wirken sie Faltenbildung entgegen, versorgen die Haut mit Feuchtigkeit und polstern die Collagene auf.

Booster für die schönen Dinge im Leben

Nicht zuletzt stehen die Früchte im Ruf, die Libido zu steigern – und dadurch die Empfängnis zu erhöhen. Das schließt den Kreis zum eingangs erwähnten „Apfel der Erkenntnis“. Er taucht in Form des Granatapfels auf zahlreichen Paar-Darstellungen früherer Jahrhunderte auf. Hier fungiert er als Symbol für Liebe und Fruchtbarkeit.

Da der Verzehr von Granatapfelsaft oder -kernen die Durchblutung fördert, könnte er über diesen Umweg auch luststeigernd wirken. Weil die Früchte kaum Kalorien enthalten, machen sie weder müde noch träge – und tragen wohl auch dadurch zum Liebesleben bei.

Separieren lassen sich die dafür verantwortlichen Inhaltsstoffe jedoch nicht. Wie in allen genannten Bereichen entfaltet sich die Wirkung des Granatapfels nur durch das raffinierte Zusammenspiel der einzelnen Bestandteile.

Verzehr so leicht wie möglich gemacht

So weit, so beeindruckend. Wie aber kommst du an die kostbaren Inhaltsstoffe heran, um sie in deine Ernährung zu integrieren und ihre Wirkung auf deine Gesundheit zu nutzen?

Die Schale der Granatäpfel ist bekanntlich sehr fest und besitzt eine sehr glatte Oberfläche. Beim Versuch, sie mittels Messer zu öffnen, rutschst du unweigerlich ab und riskierst, dir in die Hand zu schneiden.

Für den Fall, dass du durchkommst, ritzt du die Innenschicht der Schale und die weißen Zwischenhäute der Kerne an. Beide enthalten Bitterstoffe, die den Genuss der Frucht empfindlich trüben können. Und nicht zuletzt spritzt der stark färbende Saft des Granatapfels heraus, was schwer bis gar nicht zu entfernende Flecke verursacht.

Einen Granatapfel ohne zu schneiden öffnen

Keine guten Voraussetzungen für eine gesunde Ernährung; doch zum Glück gibt es Tricks, um die Früchte zu öffnen und ihre wertvollen Inhaltsstoffe zu nutzen:

  1. Achte darauf, dass der Granatapfel Zimmertemperatur hat. Sie macht seine Struktur geschmeidiger und sorgt dafür, dass du ihn leichter öffnen kannst.
  2. Leg den Granatapfel auf ein Brett und drück die Schale ringsherum ein wenig an. Das ist am effektivsten, wenn du die Frucht wie einen Massageball hin und her rollst und dabei mit den Fingern oder dem Handballen gegen die Schale drückst.
  3. Jetzt erst setzt du ein Messer mit Sägeklinge an. Führe es einmal um den Granatapfel herum; aber ritze die Schale dabei nur wenige Millimeter tief ein. Durch diese Art zu schneiden entsteht eine Sollbruchstelle.
  4. Nimm die angeritzte Frucht so in die Hände, dass der Einschnitt vertikal verläuft. Drücke ihn mit beiden Daumen vorsichtig auseinander. Das kostet etwas Kraft und viel Fingerspitzengefühl; doch schließlich bricht die Schale auseinander, ohne dass du sie schneiden musstest.

Einen Granatapfel als frische Frucht erkennen

In diesem Zustand erkennst du auch, ob der Granatapfel frisch ist: Bei reifen Früchten leuchten die Samenkerne glutrot und die Häutchen dazwischen sind komplett weiß.

Zeigt eine der beiden Komponenten bräunliche Nuancen, ist die Frucht alt und hat Wasser verloren. Ihre wertvollen Inhaltsstoffe sind nur noch teilweise erhalten oder bereits abgebaut. Außerdem wirkt sie strohig, trocken oder sogar muffig.

Einen Granatapfel vollständig entkernen

Hat das Obst den optischen Check bestanden, kannst du es auf klassische Art essen oder zuvor entkernen. Das geht am einfachsten mit der Klopf-Methode, für die du eine Schüssel und einen Ess- oder Kochlöffel benötigst:

  1. Halte eine der beiden Fruchthälften mit der Öffnung nach unten über die Schüssel und klopf mit dem Löffel auf die Außenseite. Dadurch fallen die Kerne wie große rote Tropfen herab.
  2. Hört der Platzregen auf, sitzen meist trotzdem noch ein paar Fruchtkerne in der Schale. Dann drücke sie mit beiden Händen leicht zusammen und wiederhole das Beklopfen, um den Granatapfel vollständig zu entkernen.
  3. Verfahre genauso mit der zweiten Hälfte des Granatapfels. Auch hier wieder klopfen, drücken und nochmals klopfen.

Nach dem Entkernen der Fruchthälften befinden sich meist auch ein paar Zwischenhäutchen in der Schüssel. Da sie ungenießbar sind, solltest du sie entfernen. Zu diesem Zweck gießt du einfach etwas Wasser über die rote Pracht.

Während die schweren Samenträger am Boden bleiben beziehungsweise zurücksinken, schwimmen die weißen Fasern oben und können ganz einfach mit einem Sieb, einem Schaumlöffel oder dergleichen abgefischt werden. Anschließend seihst du den Inhalt der Schüssel ab und entfernst das Wasser auf diese Weise wieder.

Einen Granatapfel entsaften

Möchtest du nur den Saft nutzen, kannst du die Fruchthälften auch auspressen. Dafür eignen sich die gleichen Geräte, die zur Gewinnung von Zitronensaft zum Einsatz kommen. Filtere die aufgefangene Flüssigkeit durch ein Sieb, denn auch beim Ausdrücken der Fruchtschalen können sich die weißen Häutchen lösen und den Geschmack des Saftes beeinträchtigen.

Vielfältiger Nutzen (fast) ohne Kalorien

Leider ist der größte Spaß am Granatapfel essen mit dem Entsaften oder Entkernen vorbei. Das Herauspulen der fruchtigen Körner ist ähnlich grotesk wie Hühnchen mit den Händen zu essen – und trotzdem (oder gerade deswegen) eine der köstlichsten kulinarischen Erfahrungen. Wenn bei deiner Ernährung etwas mehr Stil walten soll, kannst du die Frucht nach dem Entkernen in einem Rezept verarbeiten.

Der Geschmack von Granatapfelkernen bzw. -saft verleiht sowohl süßen als auch herzhaften Speisen einen interessanten Touch. Probiere die fruchtigen Körner in Müsli, Joghurt oder Quarkzubereitungen bzw. als knackige, gesundheitfördernde Komponente in Obst- oder Gemüsesalat.

Auch in warmen Gerichten kommt das süß-saure Aroma perfekt zur Geltung. Du kannst dich an einem Rezept für Granatapfelsoße zu Hefeklößen oder Wildbret versuchen; aber auch eigene Ideen bei der Verarbeitung des Saftes und der Kerne umsetzen. Häufig können sie an Stelle von Trauben oder Feigen verwendet werden. Ein ganz einfaches Rezept sieht vor, in Stücke gebrochene Granatäpfel als gesunde Alternative zu würzigen Käsesorten zu servieren.

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Granatapfel: Wasserreiche Power-Frucht mit vielfältiger Wirkung

Hier wie auch bei sonstiger Verwendung punktet das Obst durch seine geringe Kalorienzahl. Im direkten Vergleich zu anderen Sorten schneiden Granatäpfel jedoch eher durchschnittlich ab. Bei einigen Früchten ist der Gehalt an Wasser oder Ballaststoffen sowie die Menge der enthaltenen Mineralstoffe und Vitamine sogar deutlich höher.

Doch wie schon bei der Wirkung auf Gesundheit und Wohlbefinden gilt auch hier: die Mischung macht’s. Granatäpfel bringen Abwechslung auf den Tisch und variieren das bekannte Einerlei exotischer Früchte um eine ebenso gesunde wie schmackhafte Alternative.

Studienergebnisse bescheinigen dem Obst eine Ausnahmestellung; machen jedoch keine Wunderwaffe aus dem Granatapfel. Viele seiner positiven Eigenschaften auf die Gesundheit entfaltet er nur durch die gekonnte Kombination mit anderen Lebensmitteln und dann, wenn er am meisten Wasser enthält: als frische Frucht.

Der Granatapfel in der Übersicht

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