Diäten im Test

Die Montignac Methode: Abnehmen nach wissenschaftlichen Erkenntnissen

Die Montignac Methode: Abnehmen nach wissenschaftlichen Erkenntnissen

(Low Carb Kompendium) – Einige nennen es Reduktionsdiät, andere sprechen von einer ausgewogenen Ernährungsform. Letztendlich ist die Montignac-Methode aber auf jeden Fall ein Ernährungsprinzip, das entscheidend zur Gewichtsreduzierung sowie zur Förderung der Gesundheit beitragen soll. Dabei wird die Anwendung der Methode als Dauerernährung empfohlen.

Die Nähe zur Reduktionsdiät ist aber allgegenwärtig: So sind in der Montignac-Methode sowohl Elemente der Glyx-Diät als auch von Low-Carb sowie der Trennkost enthalten. In zahlreichen Spezialstudien konnte die Wirksamkeit sowie die mit der Methode einhergehenden vorteilhaften Nebeneffekte bereits ausführlich nachgewiesen werden.

Daher zählt diese Methode inzwischen auch zu einer wissenschaftlichen Bewegung, die von berühmten Epidemiologen wie Professor Walter Willet sowie renommierten Wissenschaftlern wie Professorin J. Brand-Miller engagiert unterstützt wird.

Wissenschaftliche Ansätze stellen methodische Basis dar

Zwar gilt gemeinhin Michel Montignac (1944 – 2010) als der Erfinder der gleichnamigen Montignac-Methode. Aber im Grunde genommen handelt es bei dieser Methode um die Ergebnisse respektive um die Zusammenfassung verschiedener wissenschaftlicher Veröffentlichungen und experimenteller Arbeiten, die sich seit den 1980er Jahren mit dieser Thematik befassen.

Neben Michel Montignac waren noch zahlreiche Wissenschaftler und Ärzte an den Veröffentlichungen bzw. Arbeiten beteiligt. Daher kannst Du dann auch davon ausgehen, dass die Montignac-Methode durchaus auf wissenschaftlichen Grundlagen beruht.

Wenn Du Dich tiefergehend mit dem wissenschaftlichen Ansatz der Montignac-Methode auseinandersetzen möchtest, ist vor allem die Publikation von Professor Jean Dumesnil interessant bzw. empfehlenswert, die im British Journal of Nutrition im November 2001 erschienen ist.

Die Montignac-Methode ist keine Diät im herkömmlichen Sinne

Sowohl Dumesnil als auch Michel Montignac selbst betonen in ihren Ausführungen dabei, dass es sich bei dieser Methode um keine Reduktionsdiät im traditionellen bzw. herkömmlichen Sinne handelt. Denn bei einer Reduktionsdiät handelt es sich grundsätzlich um eine restriktive Ernährungsform, deren Umsetzung bzw. Einhaltung immer zeitlich begrenzt ist.

Demgegenüber stellt die Montignac-Methode keine restriktive Ernährungsform dar, sondern kann als perfekt ausgewogene Ernährungsform bezeichnet werden. Dabei wird bei dieser Methode jede einzelne Nährstoffkategorie explizit berücksichtigt. Die Auswahl der entsprechenden Lebensmittel aus den Kategorien Proteine, Fette und Kohlenhydrate erfolgt dabei unter Beachtung der nutritiven Eigenschaften.

Außerdem werden bei dieser Methode das Potenzial, Stoffwechselreaktionen hervorzurufen, berücksichtigt. Die Berücksichtigung dieses Potenzials ist insofern wichtig, da dadurch einer Gewichtszunahme, kardiovaskulären Risikofaktoren sowie Diabetis Typ II präventiv vorgebeugt werden können. Zudem liegen fundierte Resultate aus Experimenten sowie wissenschaftliche Arbeiten vor, die nachweisen, dass die Montignac-Methode bei diesbezüglich erkrankten Menschen die jeweiligen Symptome in einem beträchtlichen Ausmaß verringern konnten.

Michel Montignac bestreitet in diesem Zusammenhang in seinen Ausführungen zur Montignac-Methode grundsätzlich auch den Zusammenhang von Energieverbrauch und Gewichtsveränderungen; er sieht diese Annahme sogar als einen zentralen Irrtum der Ernährungswissenschaft.

Die grundsätzliche Intention der Montignac-Methode

Grundsätzlich ist es die Intention der Montignac-Methode, die jeweils individuellen Ernährungsgewohnheiten im Hinblick auf die gefassten Ernährungs- bzw. Gesundheitsziele entscheidend umzustellen. So unterstützt die Methode dann die Gewichtsabnahme bei Übergewicht, reduziert die Risikofaktoren für Herz- und Gefäß-Erkrankungen, beugt Diabetes Typ II sowie Übergewicht vor.

Um diese Ziele auch zu erfüllen, basiert die Methode auf zwei Prinzipien. Zum einen wird nämlich prinzipiell bei der Montignac-Methode auf das Zählen von Kalorien – was immer noch weit verbreitet ist und zudem auch von etlichen Ernährungsprofis empfohlen wird – komplett verzichtet. Denn laut Michel Montignac ist es falsch, sich auf den Kaloriengehalt der Lebensmittel zu fokussieren, da diese Strategie unwirksam sei.

Das zweite Prinzip beinhaltet dann eben die Maßnahme, dass die Auswahl der Nahrungsmittel unter Berücksichtigung der nutritiven Eigenschaften sowie des vorhandenen Stoffwechselpotenzials erfolgt.

Diese von Montignac aufgestellten Regeln sollten zwingend beachtet werden

Gemäß der Intention bzw. der Prinzipien der Montignac-Methode sollten grundsätzlich folgende Gegebenheiten respektive Voraussetzungen erfüllt sein:
Es sind Kohlenhydrate zu bevorzugen bzw. zu nutzen, die vorzugsweise einen sehr niedrigen glykämischen Index aufweisen. Die Einteilung der Kohlenhydrate erfolgt mittels des Glykämischen Index.

Dieser gibt an, wie viel Prozent Stärke eines Nahrungsmittels in Dein Blut gelangen; als Maßstab dient dabei Glukose. Je niedriger der GI dabei ist, desto weniger Insulin wird dann auch freigesetzt. Verboten sind demnach Lebensmittel mit einem hohen GI, wie beispielsweise Weißbrot, Traubenzucker oder gekochte Karotten. Demgegenüber verfügen etwa Haferflocken, Vollkornbrot oder Obst über einen mittleren GI. Viele Hülsenfrüchte und Gemüsesorten weisen dagegen einen niedrigen GI auf.

Montignac hat hierzu einige Regeln formuliert. Demnach dürfen sehr gute Kohlenhydrate, die einen GI bis 35 aufweisen, mit einer beliebigen Menge an Fett und Eiweiß kombiniert werden. Haben Nahrungsmittel einen GI zwischen 35 und 50 solltest Du diese nicht mit Fett kombinieren. Ausnahmen stellen geringe Mengen an einfach sowie mehrfach gesättigten Fettsäuren dar.

Schlechte Kohlenhydrate (GI zwischen 50 und 100) sollten Du dagegen komplett meiden, da diese unweigerlich zur Gewichtszunahme führen.
Bei Fetten ist gezielt auf die jeweiligen Eigenschaften der Fettsäuren zu achten. Gesättigte Fettsäuren, wie zum Beispiel Butter oder Fleischfett, solltest Du von Deinem Speiseplan streichen.

Einfach ungesättigte Fettsäuren (Olivenöl etc.) und mehrfach ungesättigte Omega-3-Fettsäuren, wie etwa Fischfett, kannst Du demgegenüber bedenkenlos konsumieren.
Bei der Auswahl der Proteine kommt es auf den jeweiligen Ursprung (tierisch oder pflanzlich) sowie auf die Komplementarität an.

Zudem stellt der Grad der Neutralität auf die menschlichen Stoffwechselprozesse im Hinblick auf die Gewichtszunahme (hier: Hyperinsulinismus) ein wichtiges Auswahlkriterium dar.

Die zwei Phasen der Montignac-Methode

Dabei gliedert Montignac seine Methode in zwei Phasen. Innerhalb der ersten Phase soll mittels der Ernährungsumstellungen sowohl die Funktion der Bauchspeicheldrüse normalisiert als auch eine Gewichtsreduzierung erreicht werden. In der zweiten Phase verfolgst Du dann das Ziel, Dein Gewicht dauerhaft zu stabilisieren.

Dabei musst Du auf folgende Faktoren bei Deiner Ernährung achten:
Innerhalb der ersten Phase darfst Du lediglich Lebensmittel mit einem niedrigen GI zu Dir nehmen. Dies bedeutet, dass geschälter Reis, Kartoffeln oder auch helle Nudeln Tabu sind. Der entscheidende Faktor ist hierbei, dass Du prinzipiell nur Lebensmittel aus der Kategorie der Kohlenhydrate auswählst, deren GI unter oder zumindest gleich 50 ist.

Wird diese Vorgabe eingehalten, wird nach Beendigung der Mahlzeit eine entsprechend niedrige Insulinantwort ausgelöst. Dies schließt dann eine Lipogenese (die Bildung von Fettreserven) aus. Stattdessen wird der Abbau von Fettreserven begünstigt; dieser Prozess ist als Lipolyse bekannt. Bei der Aufnahme von Fetten und Proteine gibt es in dieser ersten Phase demgegenüber keinerlei Beschränkungen.
Bei der zweiten Phase, in der es um die Stabilisierung Deines Gewichts sowie um die Vorbeugung bezüglich der Gewichtszunahme geht, erfolgt die Auswahl der Kohlenhydrate zwar immer noch nach dem jeweiligen glykämischen Index. Allerdings darf dieser sich jetzt in höheren Bereichen bewegen als in Phase I.

Zudem sind diesbezügliche Ausnahmen gestattet. So kannst Du in dieser Phase auch hin und wieder zum Beispiel Kartoffeln oder geschälten Reis essen. Ausnahmen dieser Art solltest Du bestenfalls direkt dadurch kompensieren, dass Du dann zusätzlich Lebensmittel mit einem besonders günstigen GI auf den Speiseplan setzt.

In Anbetracht des Konzepts der so bezeichneten glykämischen Last, die sich grundsätzlich aus der reinen Kohlenhydratkonzentration eines Nahrungsmittels sowie aus dem glykämischen Index zusammensetzt, kannst Du unter bestimmten Bedingungen dann sogar Lebensmittel, die Kohlenhydrate mit einem hohen GI aufweisen, verzehren.

Kritik von Ernährungswissenschaftlern: Nachteile der Montignac-Methode

Allerdings üben einige Ernährungswissenschaftler und Mediziner auch Kritik an der Montignac-Methode und attestieren ihr verschiedene Nachteile. So enthält ihrer Meinung nach die Ernährung im Rahmen der Montignac-Methode zu viel Eiweiß sowie zu viel Fett.

Denn bei dieser Methode hast Du im Schnitt einen Proteinanteil von rund 30 Prozent; im Allgemeinen empfehlen Ernährungswissenschaftler aber einen Anteil von lediglich maximal 20 Prozent. Der Fettanteil liegt zudem bei etwa 31 Prozent. Montignac empfiehlt in seinen neueren Publikationen eine Fettreduktion sowie den Verzehr von ausschließlich Fetten mit ungesättigten Fettsäuren.

Die Kohlenhydrat-Menge liegt bei seiner Methode aber lediglich bei 40 Prozent, während normale Mischkost auf einen Kohlenhydratanteil von 50 bis 60 Prozent kommt.

Schwierige Umsetzung der Vorgaben im Alltagsleben

Hinzu kommt, dass eine komplette Trennung von Kohlenhydraten und Eiweiß in der Praxis bzw. im Alltag kaum konsequent durchgeführt werden kann. Dazu ist das Leben mittlerweile viel zu schnell und hektisch geworden. Immer mehr Menschen müssen aufgrund mangelnder Zeitressourcen unterwegs essen, kehren in Restaurants ein oder nehmen das Mittagessen in der Kantine zu sich.

Daher haben die Betroffenen dann auch kaum Kontrolle über die Zusammensetzung der Gerichte. Ein weiterer Kritikpunkt bezieht sich auf den Verzicht auf Zucker bzw. Kohlenhydrate. Da dadurch der Blutzuckerspiegel ungemein niedrig gehalten wird, könnte es nämlich zu daraus resultierenden Heißhungerattacken kommen. Und diesen Attacken ist erfahrungsgemäß auf Dauer nur schwer zu widerstehen.

Die isolierte Betrachtungsweise des Glykämischen Index

Auch die isolierte Betrachtungsweise des Glykämischen Index (GI) ist unter Medizinern nicht unumstritten. Nach Ansicht vieler Mediziner wird nämlich die Wirkung von Nahrung auf den eigenen Blutzuckerspiegel durch zahlreiche Einflüsse verändert.

Zudem lassen sich aus jeder Tabelle lediglich Indizien bzw. Anhaltspunkte ableiten, da die individuellen Schwankungen sehr hoch sind. Außerdem weisen die Mediziner darauf hin, dass es selten vorkommt, dass Lebensmittel isoliert gegessen werden. Meistens werden Lebensmittel in Kombination mit anderen Nahrungsmitteln gegessen.

Genau dadurch verändert sich aber dann der GI, wobei die entsprechenden Werte nicht einfach aufaddiert werden können.

Mediziner bemängeln die Zusammenstellung der erlaubten Lebensmittel

In der Kritik steht auch die Zusammenstellung der Lebensmittel, die gemäß der Montignac-Methode auf dem Speiseplan stehen sollten. Denn es fehlen auf der Lebensmittelliste zum Beispiel Melone oder gekochte Karotten. Diese Lebensmittel verfügen aber über einen explizit hohen GI und enthalten derart wenig Kohlenhydrate, dass der Blutzuckerspiegel kaum merklich beeinflusst wird.

Nach Meinung der Kritiker geht Montignac hier von einer GI-Konzeption aus, die auf einen fixen Kohlenhydratanteil basiert, die aber die typische Verzehrmenge der Lebensmittel außer Acht lässt. Montignac selbst hat auf diese Kritik in einem seiner Bücher über die Montignac-Methode reagiert und die glykämische Last in den Fokus gerückt.

Anwender können sich an eine bestimmte Faustregel orientieren

Oftmals wird Montignac vorgeworfen, dass er seine Diät-Methode viel zu kompliziert aufgebaut hat. Denn die explizite Anwendung der Methode erfordert vom jeweiligen Anwender eine umfassende Kenntnis über die genaue Zusammensetzung der Nahrung.

Dies ist ein wesentlicher Bestandteil der Montignac-Methode, da das Verstehen der für eben die Methode wesentlichen Prinzipien für den Anwendungserfolg unerlässlich ist. Auch wenn die damit zusammenhängende Kritik nicht gänzlich ungerechtfertigt ist, so kannst Du Dich doch bei der Montignac-Methode auf eine vergleichsweise einfache Faustregel berufen:

Nehme Vollkornprodukte und anderweitige, möglichst naturbelassene Nahrungsmittel zu Dir und vermeide auf der anderen Seite den Verzehr von zum Beispiel Zucker, Mais, Weißbrot sowie Kartoffeln; zudem solltest Du grundsätzlich auf einen übermäßigen Alkoholkonsum verzichten.

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